Lüften gegen Schimmel: Warum kalte Luft Ihr bester Helfer ist

Luft kann bei unterschiedlichen Temperaturen eine bestimmte Menge an Wasser aufnehmen. Die Wasseraufnahmefähigkeit der Luft steigt oder sinkt mit der Temperatur.

Hier ein Beispiel zur Veranschaulichung:

In einem normalen Wohnraum mit den Abmessungen 4 m × 5 m × 2,5 m befinden sich bei einer Temperatur von 22 °C und einer relativen Luftfeuchte von 100 % ca. 1 kg (1008 g) Wasser in der Luft. Mehr Wasser kann die Luft bei dieser Temperatur nicht aufnehmen. Wenn sich der Raum abkühlt und kein Luftaustausch mit der Außenumgebung stattfindet, sinkt die Aufnahmefähigkeit der Luft.

Sinkt nun die Temperatur im Raum auf 15 °C, kann die Raumluft nur noch ca. 0,66 kg Wasser aufnehmen bzw. speichern. Bei 10 °C sind es nur noch 0,52 kg. Was passiert nun mit dem Wasser in der Luft, das die Luft nicht mehr aufnehmen kann? Das Wasser kondensiert zu Tröpfchen. Es entsteht Tauwasser, das sich an den Wänden und Gegenständen im Wohnraum niederschlägt. Das ist Physik. Da kann man nicht tricksen.

Bei einer Abkühlung des Raumes auf 10 °C werden also fast ein halbes Kilogramm (0,48 kg) Wasser ausgeschieden. Es handelt sich hier um eine absolute Schimmelgefahr. Sie haben natürlich nur selten 100 % Luftfeuchte in einem Raum. Das Beispiel dient lediglich der Veranschaulichung des Problems.

Warme Luft kann mehr Wasser aufnehmen als kalte Luft. Dies kann man sich vor allem im Winter durch Lüften zunutze machen. Denn Winterzeit ist Lüftungszeit und die Zeit, um die Luftfeuchte in den Wohnräumen zu senken.

Hier ein weiteres Gedankenspiel:

Nasskalte Winterluft mit 4 °C und einer relativen Luftfeuchte von 100 % enthält etwa 5 g Wasser pro Kilogramm Luft. Wenn Sie jetzt lüften, wird diese kalte Luft von außen in den Raum „gesogen“ und die Raumluft ausgetauscht.

Die kalte, feuchte Luft erwärmt sich von 4 °C auf 20 °C. Da warme Luft mehr Wasser aufnehmen kann, sinkt die relative Luftfeuchtigkeit im Raum auf etwa 35 %. Anstatt 5 g Wasser pro Kilogramm Luft kann die Luft nun etwa 17 g Wasser pro Kilogramm Luft aufnehmen. Das ist mehr als eine Verdreifachung.

Noch einmal zusammenfassend: Sie können die Luftfeuchte in Ihren Wohnräumen senken, indem Sie nasskalte Winterluft in die Räume lassen. Bei klirrender, trockener Kälte und wenn der Taupunkt (dazu später mehr in einem anderen Blogbeitrag) beispielsweise bei -10 °C liegt, können Sie beim Lüften am Hygrometer zusehen, wie die Luftfeuchte nahezu im Sekundentakt sinkt.

Die Lüftung darf aber nicht zu lange dauern, sonst kühlt der Raum zu stark aus. Am besten querlüften, also alle Fenster und Innentüren öffnen. Je niedriger die Außentemperaturen sind, desto kürzer sollte gelüftet werden.

In der Regel sollte eine Wohnung dreimal täglich für etwa 10 Minuten gelüftet werden. Im Winter, bei entsprechend niedrigen Außentemperaturen, auch kürzer.

Zum richtigen Lüften gehört auch etwas Erfahrung. Sie sollten sich für jeden Raum ein Hygrometer anschaffen und beim Lüften sowie danach die Werte im Auge behalten, um zu lernen, was passiert. So entwickelt sich mit der Zeit eine Routine im Umgang mit Luftfeuchte und Temperatur.

Sie sollten außerdem täglich den Wetterbericht hinsichtlich Temperatur, Luftfeuchte und Taupunkt prüfen. Es gibt einige Wetter-Apps, die diese Daten kostenlos liefern bzw. anzeigen.

Wenn Sie diese Regeln befolgen, sollte die relative Luftfeuchte in einem normalen Wohnraum nur selten über 60 % steigen. Eine Ausnahme bildet der Sommer mit heißen und feuchten Tagen und Nächten.

Also noch einmal zusammengefasst:

Lüften senkt die Luftfeuchte im Raum und kann so Schimmelbildung verhindern. Am effektivsten ist das Lüften, je niedriger die Außentemperatur ist. Im Winter, bei kalten Temperaturen, spielt die Luftfeuchtigkeit der Außenluft oft nur eine untergeordnete Rolle. Bei warmen Außentemperaturen sollten Sie vorzugsweise morgens und abends lüften.

Im Sommer, bei heißen Tagen und feuchter Luft, wird das Lüften kaum zur Senkung der Luftfeuchte beitragen. Die beste Jahreszeit, um die Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen dauerhaft zu senken, sind daher der Winter und das Frühjahr.

Und übrigens: Ein Fenster dauerhaft auf „Kipp“ zu lassen, ist die schlechteste Art, einen Wohnraum zu lüften. In der Nähe des Fensters steigt die Gefahr der Schimmelbildung sogar an. Wenn Sie Vermieter sind, sollten Sie Ihre Mieter für das Thema Lüften sensibilisieren, insbesondere im Zusammenhang mit Schimmelbildung. Vielleicht sollten Sie sogar Hygrometer kostenlos zur Verfügung stellen.

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